Garnkonen-Etiketten verstehen: Ein Leitfaden zu Faserarten und Abkürzungen
Wenn du Konengarn für das Maschinenstricken oder Handstricken kaufst, findest du auf dem Etikett oft kurze Codes wie SE, WV, PA, VI oder PES. Diese Abkürzungen geben an, aus welchen Fasern das Garn besteht – ihre Bedeutung ist aber nicht immer offensichtlich.
Wenn du die Garnzusammensetzung verstehst, kannst du das passende Material für dein Projekt wählen, besser einschätzen, wie sich das Gestrick anfühlt und verhält, und fundiertere Kaufentscheidungen treffen.
In diesem Leitfaden erfährst du, was die gängigen Faserabkürzungen bedeuten, wie du Zusammensetzungsangaben liest und worauf du bei der Garnwahl für dein nächstes Strickprojekt achten solltest.
1. Tierische Naturfasern
Tierische Fasern werden wegen ihrer Wärme, Weichheit, Elastizität und charakteristischen Struktur geschätzt. Ihre Eigenschaften hängen von der Faserqualität, dem Garnaufbau und der Ausrüstung ab.
WV – Schurwolle
Schurwolle ist neue Wolle, die zuvor noch nicht zu einem Textilprodukt verarbeitet wurde. Wegen ihrer natürlichen Elastizität, Wärme und Vielseitigkeit wird sie häufig in Strickgarnen verwendet.
WO – Wolle
WO steht für Wolle, meist Schafwolle. Wolle eignet sich für eine große Bandbreite an Strickkleidung, Accessoires und Heimtextilien.
SE – Seide
SE steht für Seide, eine natürliche Proteinfaser, die von Seidenraupen gewonnen wird. Seide ist bekannt für ihre glatte Oberfläche, ihren dezenten Glanz und ihren schönen Fall. Sie wird oft mit Wolle, Viskose oder anderen Fasern gemischt, um elegante Gestricke zu erzeugen.
WP – Alpaka
WP steht für Alpakafaser. Alpaka wird wegen seiner Weichheit, Wärme und Leichtigkeit geschätzt.
WS – Kaschmir
WS steht für Kaschmir, eine feine Unterhaarfaser der Kaschmirziege. Sie wird wegen ihrer Weichheit, Wärme und ihres luxuriösen Griffs geschätzt.
WM – Mohair
WM steht für Mohair, eine Faser der Angoraziege. Mohair erzeugt oft einen weichen, flauschigen Flor und verleiht dem Gestrick Struktur.
WA – Angora
WA bezeichnet in der üblichen Textilkennzeichnung in der Regel Angorakaninchenhaar. Es ist für seine Leichtigkeit und Weichheit bekannt.
WY – Yak
WY steht für Yakhaar, das wegen seiner Wärme und natürlichen Weichheit geschätzt wird.
WK – Kamel
WK bezeichnet Kamelhaar, eine tierische Naturfaser, die in ausgewählten Garnen und Textilmischungen verwendet wird.
WL – Lama
WL steht für Lamahaar, das in warmen und strukturierten Garnen eingesetzt werden kann.
WG – Vikunja
WG bezeichnet Vikunjahaar, eine besonders feine und wertvolle tierische Faser.
WU – Guanako
WU steht für Guanakohaar, eine weitere feine tierische Faser, die in speziellen Textilien verwendet wird.
Was ist der Unterschied zwischen WO und WV?
Beide Abkürzungen beziehen sich auf Wolle, bedeuten aber nicht genau dasselbe. WO steht für Wolle, während WV ausdrücklich Schurwolle bezeichnet. Schurwolle wurde zuvor noch nicht zu einem Textilprodukt verarbeitet. Die Abkürzung garantiert jedoch nicht automatisch eine bestimmte Weichheit, Stärke oder Gesamtqualität.
2. Pflanzliche Naturfasern
Pflanzenfasern werden oft wegen ihrer Atmungsaktivität, ihrer natürlichen Struktur und ihrer Eignung für leichte Kleidung und Accessoires gewählt.
CO – Baumwolle
CO steht für Baumwolle, eine Naturfaser aus der Baumwollpflanze. Baumwollgarn wird häufig für Sommerkleidung, Kinderkleidung und Heimtextilien verwendet.
LI – Leinen
LI steht für Leinen, eine Faser aus Flachs. Leinengarn ergibt atmungsaktive Stoffe mit einer charakteristischen natürlichen Struktur. Es ist meist weniger elastisch als Wolle, daher kann sich das Gestrick beim Stricken und Waschen anders verhalten.
JU – Jute
JU steht für Jute, eine pflanzliche Naturfaser, die eher mit groben Textilien und speziellen Garnanwendungen in Verbindung gebracht wird.
RA – Ramie
RA steht für Ramie, eine reißfeste Naturfaser aus der Ramiepflanze.
HA – Hanf
HA steht für Hanffaser, die aus der Hanfpflanze gewonnen und in verschiedenen Textilanwendungen eingesetzt wird.
Wenn du Baumwolle, Leinen oder andere Pflanzenfasern für das Maschinenstricken auswählst, achte auf Garnstärke, Drehung, Elastizität und die empfohlene Teilung der Maschine.
3. Regenerierte Cellulosefasern
Regenerierte Cellulosefasern werden aus Cellulose hergestellt, die meist aus Holzzellstoff oder anderen pflanzlichen Rohstoffen gewonnen wird. Obwohl ihr Ausgangsmaterial pflanzlich ist, durchlaufen diese Fasern eine industrielle Verarbeitung und unterscheiden sich von natürlicher Baumwolle oder Leinen.
VI – Viskose
VI steht für Viskose. Viskose wird wegen ihres glatten Griffs, ihres schönen Falls und ihres oft seidenähnlichen Aussehens geschätzt. Sie wird für leichte Oberteile, Kleider, Schals und dekorative Gestricke verwendet. Je nach Kennzeichnungssystem des Lieferanten begegnet dir für Viskose auch die Abkürzung CV.
CMD – Modal
CMD steht für Modal, eine regenerierte Cellulosefaser, die für ihren weichen Griff und guten Fall bekannt ist.
CLY – Lyocell
CLY steht für Lyocell, eine weitere regenerierte Cellulosefaser, die in einem anderen Verfahren als Viskose hergestellt wird.
CUP – Cupro
CUP steht für Cupro, eine regenerierte Cellulosefaser, die in Textilien eingesetzt wird, bei denen ein glatter Griff und ein fließender Fall gewünscht sind.
Auch wenn all diese Fasern auf Cellulose basieren, unterscheiden sich ihre Herstellungsverfahren und Eigenschaften. Sie sollten daher nicht automatisch als austauschbar betrachtet werden.
Was bedeutet VI auf einer Garnkone?
VI bedeutet Viskose. Viskosegarn ergibt weiche, fließende Stoffe mit schönem Fall. Wie sich das fertige Gestrick verhält, hängt jedoch vom Garnaufbau, der Fasermischung und der Ausrüstung ab.
Wenn du Viskose auf der Strickmaschine verarbeitest, lohnt es sich, eine kleine Maschenprobe zu stricken und ihre Maße und ihr Aussehen nach dem Waschen zu prüfen.
4. Synthetische Fasern
Synthetische Fasern werden in der industriellen Garnherstellung häufig eingesetzt. Je nach Faser tragen sie zu Festigkeit, Strapazierfähigkeit, Elastizität oder Formstabilität bei.
PA – Polyamid
PA steht für Polyamid, allgemein als Nylon bekannt. Es ist reißfest, strapazierfähig und abriebfest. Polyamid wird oft mit Wolle, Alpaka oder anderen Fasern gemischt, um die Haltbarkeit von Strickkleidung und Accessoires zu verbessern.
Ein Garn mit der Angabe 80 % WV und 20% PA enthält zum Beispiel 80% Schurwolle und 20% Polyamid. Diese Mischung verbindet die natürlichen Eigenschaften der Wolle mit der zusätzlichen Strapazierfähigkeit von Polyamid.
PES – Polyester
PES steht für Polyester, eine synthetische Faser, die häufig in Mischgarnen verwendet wird. Sie kann zur Strapazierfähigkeit und zu nützlichen Formeigenschaften des fertigen Stoffes beitragen.
PL – Polyester
PL ist eine weitere Abkürzung, die in manchen Textilsystemen für Polyester verwendet wird. Prüfe im Zweifel immer die Unterlagen des Lieferanten, um herauszufinden, welches Kennzeichnungssystem verwendet wird.
PC – Polyacryl
PC kann in bestimmten Kennzeichnungssystemen für Polyacryl stehen. Da Textilcodes variieren können, überprüfe die Bedeutung anhand des Etiketts oder der technischen Angaben des Lieferanten.
PAN – Polyacrylnitril
PAN ist die Abkürzung für Polyacrylnitril und wird üblicherweise mit Polyacrylfasern in Verbindung gebracht.
EA – Elasthan
EA steht für Elasthan, eine elastische Faser, die Textilien Dehnbarkeit und Rücksprungkraft verleiht.
EL – Elasthan
EL ist eine weitere Abkürzung, die in manchen Textilkennzeichnungssystemen für Elasthan verwendet wird.
PU – Polyurethan
PU steht für Polyurethan. Es ist ein Polymer, das in bestimmten elastischen Fasern und anderen Textilanwendungen eingesetzt wird. Es sollte nicht auf jedem Garnetikett automatisch als Synonym für Elasthan verstanden werden.
PP – Polypropylen
PP steht für Polypropylen, eine synthetische thermoplastische Faser, die in ausgewählten Textilanwendungen eingesetzt wird.
Was ist der Unterschied zwischen PA und PES?
Polyamid und Polyester sind beides synthetische Fasern, haben aber unterschiedliche chemische Strukturen und Eigenschaften. Polyamid wird oft wegen seiner Zähigkeit und Abriebfestigkeit gewählt, während Polyester vor allem wegen seiner Strapazierfähigkeit und Formstabilität verbreitet ist.
Die beste Wahl hängt von der gesamten Garnzusammensetzung und dem Verwendungszweck des Strickstücks ab.
5. So liest du die Garnzusammensetzung auf einer Kone
Faserabkürzungen werden meist mit Prozentangaben kombiniert. Diese Prozentwerte geben den Anteil jeder Faser im Garn an.
100 % WV
Das Garn besteht vollständig aus Schurwolle.
70 % WV, 30% PA
Das Garn enthält 70 % Schurwolle und 30% Polyamid. Diese Kombination vereint die natürlichen Eigenschaften der Wolle mit der Strapazierfähigkeit von Polyamid.
50 % SE, 50% VI
Das Garn enthält gleiche Anteile Seide und Viskose. Beide Fasern können zu einer glatten Oberfläche und einem schönen Fall beitragen.
80 % CO, 20% PA
Das Garn enthält 80 % Baumwolle und 20% Polyamid. Die Baumwolle bestimmt die wesentlichen Fasereigenschaften, das Polyamid sorgt für Strapazierfähigkeit.
40 % WV, 30% VI, 20% PA, 10% SE
Diese komplexe Mischung kombiniert Schurwolle, Viskose, Polyamid und Seide. Jede Faser bringt andere Eigenschaften in das fertige Garn ein.
Denk daran: Die Faserzusammensetzung allein bestimmt nicht die genaue Stärke, Weichheit, Elastizität oder das Aussehen eines Garns. Spinnverfahren, Drehung, Garnaufbau und Ausrüstung beeinflussen das fertige Gestrick ebenfalls.
6. Warum die Faserzusammensetzung beim Maschinenstricken wichtig ist
Die Wahl der richtigen Faser ist bei Konengarn besonders wichtig. Bevor du ein Projekt beginnst, solltest du folgende Punkte bedenken.
- Eignung für die Maschine: Prüfe, ob Garnstärke und Garnaufbau zu deiner Strickmaschine und ihrer Teilung passen.
- Elastizität: Wolle, Polyamid und Elasthan verhalten sich unter Spannung unterschiedlich. Die Fasermischung beeinflusst, wie sich das Garn beim Stricken verhält und wie stark sich das fertige Gestrick dehnt.
- Fall: Seide und Viskose ergeben fließende Stoffe, während manche Wollgarne ein formstabileres Ergebnis liefern.
- Struktur: Mohair erzeugt einen flauschigen Flor, während Seide und Viskose oft glatter wirken.
- Strapazierfähigkeit: Polyamid und Polyester können bestimmte Haltbarkeitseigenschaften von Mischgarnen verbessern.
- Pflegehinweise: Verschiedene Fasern erfordern unter Umständen unterschiedliche Wasch- und Trocknungsmethoden. Beachte immer die Pflegehinweise des Lieferanten, besonders bei empfindlichen Garnen oder Fasermischungen.
Für die besten Ergebnisse strickst du vor Projektbeginn eine kleine Maschenprobe. Wasche und trockne sie so, wie du das fertige Stück pflegen willst, und beurteile dann Maße, Struktur, Elastizität und Aussehen des Gestricks.
Das ist besonders wichtig bei Industriegarnen, die eventuell für ein bestimmtes Strickverfahren entwickelt wurden.
7. Wichtige Hinweise zu Garnetiketten
Textilabkürzungen können je nach Hersteller, Land und Kennzeichnungssystem variieren. Die Codes in diesem Leitfaden sind in der europäischen Textilterminologie verbreitet, aber nicht jeder Lieferant verwendet genau dieselbe Schreibweise.
Manche Abkürzungen können in verschiedenen Systemen unterschiedliche Bedeutungen haben. So steht WO in der Regel für Wolle, während WV in der üblichen Textilfaser-Terminologie ausdrücklich Schurwolle bezeichnet.
Wenn auf einem Konenetikett ein unbekannter Code steht, sieh in den technischen Angaben des Herstellers nach oder bitte den Lieferanten, die Faserzusammensetzung zu bestätigen.
Die Zusammensetzung verrät dir außerdem nicht alles über die Eigenschaften eines Garns. Zwei Garne mit denselben Faseranteilen können durch Unterschiede bei Spinnverfahren, Drehung, Aufbau und Ausrüstung sehr unterschiedliche Gestricke ergeben.
Fazit
Wenn du die Faserabkürzungen verstehst, kannst du Industriegarne leichter vergleichen, passende Materialien auswählen und deine Strickprojekte sicher planen.
Ob du feines Seidengarn, weiche Schurwolle, strapazierfähige Polyamid-Mischungen oder atmungsaktive Baumwolle suchst – das Lesen des Zusammensetzungsetiketts ist ein wichtiger erster Schritt.
Entdecke verschiedene Fasern, experimentiere mit Garnmischungen und teste dein Garn immer, bevor du dich an ein großes Projekt wagst. Die richtige Kombination aus Faser, Garnaufbau und Stricktechnik kann einen großen Unterschied für dein fertiges Gestrick machen.
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